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Archäologische Ausgrabungen in "Hazor" (Tell Hazor)

Die Funde bei den Grabungen in Tell Hazor bestätigen biblische Berichte


Skizze: Lage von »Geser«, »Megiddo« und »Hazor«


Hazor im Alten Testament

Die Stadt Hazor wird im Alten Testament mehrmals erwähnt. Sie lag im Norden des Landes, ca. 15 km nördlich vom See Genezareth, an einer strategisch günstigen Stelle. Um 1850 v.Chr. wurde Hazor erstmals in den ägyptischen Ächtungstexten erwähnt; später (1650 v.Chr.) war die Stadt eine der stärksten Festungen Kanaans.

Hazor war die einstige Hauptstadt aller kanaanitischen Königreiche, die im 15. und 13. Jh. v.Chr. zu den größten Städten des Orients gehörte. Später, im 10. Jh. v.Chr., wurde sie unter den Israeliten eine bedeutende Festung.

Hazor ist heute eine Ruine und zwar an der Stelle, an der sich das mächtige Plateau des TELL HAZOR (arabisch Tell Waqqas oder Tell el-Qedah), erhebt.

Tell Hazor hat sich als einer der berühmtesten und reichsten kanaanitischen Ausgrabungsstätten des Nahen Ostens gezeigt. Anhand der Funde ist es gelungen, zweitausend Jahre der vorchristlichen Geschichte Israels zu rekonstruieren.



Die Stadt Hazor im Laufe der Geschichte

Schon im 27. Jh. v.Chr. war Hazor eine Stadt. Sie beherrschte einen gut bewässerten Paß an der Stelle, wo Handels- und Militärstaßen die Hochkultur Ägyptens mit dem Zweistromland verbanden.

Im 18. Jh. v.Chr. wanderte von Norden her ein neues Volk ein. Da es auf dem Hügel der Oberstadt keinen Platz mehr fand, siedelte es sich in der Ebene nach Norden (Unterstadt) an.

Die erste Urkunde, in der Hazor erwähnt ist, stammt aus dem 19. oder 18. Jh. v. Chr. Ägypter verwünschten Hazor als Sitz von Feinden des Pharaonenreiches. Im Osten, im Tontafel-Archiv von Mari am Euphrat, kam Keilschrift-Diplomatenpost zutage, der zufolge im 17. Jh. v.Chr. babylonische Botschafter in Hazor residierten und die Stadt Zinn zur Bronzeherstellung aus Mari bezog.

Zum Zeitpunkt der Eroberung Kanaans durch die Israeliten, also ca. 1440 v.Chr. (nach biblischer Chronologie), übernahm Jabin I., der König von Hazor, die Führung einer Koalition von kanaanitischen Herrschern, um sich Josua entgegenzustellen. Doch der israelitische Heerführer besiegte Jabin bei den Wassern von "Merom" (ehemaliger Name des Hula-Sees).

Josua kam zurück und verbrannt Hazor (nach biblischer Chronologie zwischen 1400 - 1350 v.Chr.). Die Stadt wurde dann später bei der Teilung Kanaans dem Stamm Naftalis zugeschlagen (Josua 11,10).

Josua 11,10-13 (Luther 1984)

"10 und kehrte um zu dieser Zeit und eroberte Hazor und erschlug seinen König mit dem Schwert; denn Hazor war vorher die Hauptstadt aller dieser Königreiche.
11 Und sie erschlugen alle, die darin waren, mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckten den Bann an ihnen, und nichts blieb übrig, was Odem hatte, und er verbrannte Hazor mit Feuer.
12 Dazu eroberte Josua alle Städte dieser Könige mit ihren Königen und erschlug sie mit der Schärfe des Schwerts und vollstreckte den Bann an ihnen, wie Mose, der Knecht des HERRN, geboten hatte.
13 Doch die Städte, die auf ihren Hügeln standen, verbrannte Israel nicht; sondern Hazor allein verbrannte Josua."



Nachdem das verbrannte Hazor für längere Zeit unbewohnt geblieben war, gelangte die Stadt später wieder in die Hände der Kanaaniter, deren König ebenfalls den Namen Jabin trug (Jabin II.). Jabins II. General Sisera wurde von Barak besiegt, der von der Prophetin Deborah (Richter 4,1-24) zum Kampf aufgerufen worden war. In den Folgejahren wurde Jabin II. vernichtet und seine Stadt vermutlich komplett zerstört.

Richter 4,1-24 (Luther 1984)

"Aber die Israeliten taten wiederum, was dem HERRN missfiel, als Ehud gestorben war.
2 Und der HERR verkaufte sie in die Hand Jabins, des Königs von Kanaan, der zu Hazor herrschte, und sein Feldhauptmann war Sisera; der wohnte in Haroschet der Heiden.
...
6 Und Deborah sandte hin und ließ rufen Barak, den Sohn Abinoams aus Kedesch in Naftali, und ließ ihm sagen: Hat dir nicht der HERR, der Gott Israels, geboten: Geh hin und zieh auf den Berg Tabor und nimm zehntausend Mann mit dir von Naftali und Sebulon?
7 Ich aber will Sisera, den Feldhauptmann Jabins, dir zuführen an den Bach Kischon mit seinen Wagen und mit seinem Heer und will ihn in deine Hände geben.
...
23 So demütigte Gott zu der Zeit Jabin, den König von Kanaan, vor Israel.
24 Und die Hand der Israeliten legte sich immer härter auf Jabin, den König von Kanaan, bis sie ihn vernichteten."



König Salomon (Regierung ca. 965 - 926 v. Chr.) ließ hier, wie auch in Megiddo und Geser, wegen der strategischen Position einen militärischen Stützpunkt errichten (1. Könige 9,15).

1. Könige 9,15 (Luther 1984)

"Und so verhielt sich's mit den Fronleuten, die der König Salomo aushob, um zu bauen des HERRN Haus und sein Haus und den Millo und die Mauer Jerusalems und Hazor und Megiddo und Geser."



Die Aramäer verwüsteten die Stadt bei ihrem Durchzug im Jahr 885 v. Chr. doch König Omri baute die Stadt im selbem Jahrhundert wieder auf. Ein Erdbeben erschütterte die Stadt. Dieses in Amos 1,1 erwähnte Ereignis läßt sich archäologisch nachweisen.

Amos 1,1 (Luther 1984)

"Dies ist's, was Amos, der unter den Schafzüchtern von Tekoa war, gesehen hat über Israel zur Zeit Usijas, des Königs von Juda, und Jerobeams, des Sohnes des Joasch, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben."



Kurze Zeit später wurde die Stadt - Pekach von Israel war zu dieser Zeit König - durch den assyrischen König Tiglatpileser III. (745-727 v.Chr.; 2. Könige 15,29) dem Erdboden gleich gemacht. Viele der Einwohner wurden nach Assyrien verschleppt.

2. Könige 15,29 (Luther 1984)

"29 Zu der Zeit Pekachs, des Königs von Israel, kam Tiglat-Pileser, der König von Assyrien, und nahm Ijon, Abel-Bet-Maacha, Janoach, Kedesch, Hazor, Gilead und von Galiläa das ganze Land Naftali und führte sie weg nach Assyrien."



600 Jahre später schlug der Hasmonäer Jonathan seinen Gegner Demetrius in der Ebene von Hazor (1. Makkabäer 11,63).



Die neuzeitliche Entdeckung von TELL HAZOR

Das alttestamentliche Hazor wurde 1875 von J.L. Porter mit dem verlassenen Hügel von Tell El-Qedah identifiziert.

Im Jahr 1928 führte der britische Professor für Altertumsforschung John Garstang die ersten Probegrabungen durch. Er war aber nicht sehr erfolgreich. Seine Funde wurden nie veröffentlicht und seine Notizen wurden während des Zweiten Weltkrieges bei einem Angriff auf Liverpool vernichtet. Einige schriftlichen Aufzeichnungen wurden jedoch in Jerusalem im Rockefeller-Museum verwahrt.

Ca. 30 bzw. 40 Jahre später führte in den Jahren 1955-1958 und 1968/69 der israelische Archäologe Yigael Yadin weitere gezielte Ausgrabungen durch und brachte reiche archäologische Schätze ans Tageslicht. Diese Funde wurden an verschiedenen Stellen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: zum einen im Museum des nahe gelegenen Kibbuz Ayyelet HaShahar, zum anderen im Rockefeller-Museum in Jerusalem, wo noch heute die besonders wertvollen Stücke ausgestellt sind.

21 Siedlungsschichten wurden auf Tell Hazor gefunden. Damit ist dies das größte bekannte Tell im heutigen Israel. Tell Hazor ist als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt und einer der äußerst wichtige Kulturstätte der Menschheit.



Die archäologischen Grabungen auf TELL HAZOR

Die Ausgrabungen in Hazor umfassen zwei Teile, nämlich im Süden und im Norden.
Siehe die Skizze ==> Grabungsareale in Hazor (1200x1200)



Im Süden befindet sich erste Siedlung in Hazor. Sie liegt auf der flaschenförmigen Akropolis (Oberstadt). Sie ist 120.000 m² groß (600 m lang und 200 m breit). Die Mauern der Oberstadt aus dem 18. Jh. v.Chr. wurden von den ägyptischen Hyksos errichtet und weisen oft besonders eindrucksvolle Verzierungen auf.

Im Norden befindet sich auf dem Plateau die Neustadt (Unterstadt), die auf einer ca. 700.000 m² Fläche liegt (1.000 x 700 m großes Areal).

Von der Unterstadt ist heute so gut wie nichts zu sehen, da sie bisher nur zu einem sehr geringen Teil ausgegraben. Die Grabungsstellen sind leider wieder überwachsen, so daß sie keine Attraktion sind. Was auf dem Plateau gefunden wurde, ist äußert sehenswert und im folgenden Text beschrieben.



Archäologische Funde auf dem Plateau (Nordstadt bzw. Unterstadt)

Die Unterstadt lag auf einem ausgedehnten Plateau. Sie war im Osten von einem Steilhang gesichert, im Norden und vor allem im Westen wurde sie durch einen künstlich errichteten Wall mit davorliegendem Graben geschützt.

Die archäologischen Funde auf dem Plateau sind heute durch den Sand und Staub der letzten Jahrzehnte wieder verschüttet worden und für den Touristen praktisch nicht mehr attraktiv.

Viele Fundstücke sind jedoch heute im Israel-Museum ausgestellt. Auch kann man in den Büchern von Yigael Yadin s/w Abbildungen der einzigartigen Funde bestaunen. (Hazor. Die Wiederentdeckung der Zitadelle König Salomos,1986)



Ausgrabungsabschnitt C (Unterstadt) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

Die ersten Grabungen in Tell Hazor erfolgten auf der westlichen Seite am Fuße des Walls, im Ausgrabungsabschnitt C. Hier entdeckte Yigael Yadin Wohnhäuser und ein kanaanäische Heiligtum.

In der Schicht I fand man Wohnhäuser aus der Zeit zwischen dem 14. und 13. Jh. v.Chr.. Diese Stadt wurde spätestens 1230 v.Chr. durch ein Feuer zerstört. Yadin deutet dies als eine Zerstörung durch Josua. Nach biblischer Chronologie fällt die Zerstörung jedoch in die Richterzeit, etwa in die Zeit der Richterin Deborah (Richter 4+5.)

Darunter fand man eine Stadt, die im 15. Jh. v.Chr. einer gewaltigen Feuersbrunst zum Opfer fiel.

Die Wohnhäuser in den untersten Schichten 3 und 4 bezeugen die durchdachte Planung und die Geräumigkeit der Wohnhäuser. Im Mittelpunkt steht ein Hof mit vier angrenzenden Räumen. In einem der Zimmer entdeckte man sogar ein Ablußrohr.

Unter dem untersten Fußboden fand man Tonkrüge, die von der Kinderbestattungen zeugten.

In diesem Grabungsabschnitt fand man auch ein kanaanäische Heiligtum. In ihm befanden sich mehrere 22 bis 55 cm hohen Stele und eine sitzende Basaltstatue. Eine der Stelen zeigt als Flachrelief zum Gebet erhobene Hände und darüber Abbildungen des Mondes.

Ganz in der Nähe befand sich eine Töpferwerkstatt, aus der man gut erhaltene Utensilien barg (z.B. eine Töpferscheibe).


Ausgrabungsabschnitt F (Unterstadt) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

Nordöstlich von C liegt der Ausgrabungsabschnitt F. Auch hier stieß Yadin auf kanaanäische Heiligtümer und Wohnhäuser.

Das Heiligtum stammt auf dem 14. und 13. Jh. v.Chr.. Ein etwa 5 Tonnen schwerer Altarstein war offenbar zum Darbringen von Trankopfern bestimmt. Auch hier umschlossen zahlreiche Wohnhäuser den Tempel.

Unter einem quadratförmigen Kultbau (15. Jh. v.Chr.) kam ein großer Doppeltempel zum Vorschein, der 46 m x 23 m maß und bis zu 3 m starke Mauern hatte.

Unter den Fundamenten erstreckt sich im Fels ein ausgedehntes Tunnelsystem mit mehreren Grabhöhlen, in denen man eine Fülle von sehr gut erhaltenen Grabbeigaben ägyptischer, mykenischer, zyprischer und kanaanitischer Herkunft fand.


Ausgrabungsabschnitt H (Unterstadt) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

Im nordwestlichen Gebiet des Plateaus wurden im Ausgrabungsabschnitt H die Fundamente eines kanaanäischen Tempels freigelegt.

Das Allerheiligste des Tempels war mit einer Orthostatenumrandung (hochkant stehende Quader) geschmückt.

Auf diesem Areal fand man einen basalteneren Räucheraltar mit dem Symbol des hethitischen Wettergottes.

Die Anlage des Heiligtums bestand aus einer Vorhalle, einer Haupthalle und dem Allerheiligsten.

Der Tempel von Hazor hatte drei Vorgänger, die bis in das 16. Jh. v. Chr. zurückreichen.


Ausgrabungsabschnitt K (Unterstadt) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

Im nördöstlichen Gebiet des Plateaus wurde im Ausgrabungsabschnitt K in einer Senke das Tor der Unterstadt freigelegt. Darunter fand man die Spuren fünf weitere Tore.

Die Unterstadt und die Oberstadt waren im 9. Jh. v. Chr. durch einen Tunnel verbunden. Er war 38 m tief und ist über 123 Stufen zugänglich. Bis heute wurden zwei solche Tunnels gefunden, einer 12, der andere 30 m lang.




Archäologische Funde auf der Akropolis (Oberstadt)

Auf der Akropolis wurde viel intensiver gegraben als in der Unterstadt, und auch hier waren die Funde sensationell.


Die Grabungsareale auf der Akropolis - Skizze - klein



Ausgrabungsabschnitt A (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale auf der Akropolis (1200x800)

In der Mitte der Oberstadt befinden sich die markantesten Ruinen.

Hier standen der Palast und Heiligtümer aus der kanaanitischen Zeit, das Tor- und die Mauer aus der Zeit von Salomo (10. Jh. v.Chr.), verschiedene Gebäude aus der Zeit Ahabs (9. Jh. v.Chr.) und Häuser aus der Zeit Jerobeam II. (8. Jh. v.Chr.).


Aus der kanaanitischen Zeit: ein Tempel und ein Palast (Bronzezeit)

Aus der Bronzezeit stammt ein Tempel und der Palast des kanaanitischen Königs Jabin.

In der Spätbronzezeit I wurde der sog. Nord-Tempel errichtet. Er liegt unter der salomoischen Toranlage.

In der Spätbronzezeit II wurde ein großer Palast erbaut (Areal A; Str. XIV)

Außerhalb der salomonischen Mauer, am südlichen Hang, fand man im Graben eine 7,5 m breite Stadtmauer aus dieser Zeit.

Bei der Eroberung Kanaans verbrannte Josua diese Stadt. Später wurde sie zur Zeit der Richter völlig vernichtet. Jahrhunderte später wurde die Zerstörung vollständig, als Salomo den Bereich planieren ließ, um seine neue Stadt zu errichten.

Bilder zum kanaanistischen Palast

Bilder zu den kanaanistischen Tempeln




Aus der Zeit Salomos (10. Jh. v.Chr.): Mauer und Toranlage

Der israelische Archäologe Yigael Yadin stieß in den 60er Jahren etwa in der Mitte des Plateaus auf die Kasemattenmauer und das Haupttor der Stadt Salomos. Sie standen unmittelbar östlich des Pfeilergebäudes, das aus der Zeit Ahabs stammte.

Die Kasemattenmauer bestand aus 8-10 m langen und 2,50 m breiten Räumen; die Mauern waren bis zu 1,50 m dick. Der Torbau mit seiner 4,20 m breiten, gepflasterten Durchfahrt besaß sechs Kammern, die als Wachstuben dienten, und zu beiden Seiten des Eingangs je einen vorgesetzten Turm.

Bilder zur salomonischen Toranlage




Aus der Zeit Ahabs (9. Jh. v.Chr.): diverse Bauten

Garstang hatte 1928 bei seinen ersten Probegrabungen aus der Erde hervortretende Pfeiler entdeckt. Yadin grub Jahrzehnte später an dieser Stelle weiter und brachte südlich der Toranlage ein deutlich erkennbares ca. 20 m x 30 m großes Pfeilergebäude ans Licht. Zwei Pfeilerreihen trugen das Obergeschoß des Vorratshauses. Um auch unter diesem Gebäude zu graben, wurde der Bau an eine andere Stelle versetzt und ist heute dort zu besehen.

Direkt an dieses Gebäude schließt sich nach Norden ein weiterer Bau an, der aus zwei Hallen bestand. Hier lagerten die Getreidevorräte für Ahabs Garnison.

Als man das Kopfsteinplfaster der Lagerhalle abtrug, kamen darunter Salomons Kasernenbauten zum Vorschein.

In Yadins Buch über Hazor finden Sie auf S. 194 eine ausgezeichnete Luftaufnahme, die das Ergebnis der Ausgrabungsarbeiten zeigt.



Aus der Zeit Jerobeam II. (8. Jh. v.Chr.): zwei Wohnhäuser

Direkt südwestlich des Vorratshauses fand man die Grundmauern zweier Wohnhäuser, die durch das gewaltige Erdbeben des Jahres 763 v. Chr. zerstört wurden.

Das eine Haus (Jaels Haus [so genannte nach dem Studenten, der die Ausgrabung hier leitete]) war ein typisches israelitisches Eckhof-Säulenhaus. Auch dieses wurde an eine andere Stelle versetzt.

Im anderen Haus (Haus des Makhbiram), das sich direkt östlich daran anschloß fand man kunstvolle Elfenbein- und Knochenschnitzereien und eine Inschrift.

Beide Bauten stammen aus der Zeit Jerobeam II.

In Yadins Buch über Hazor finden Sie auf S. 194 eine ausgezeichnete Luftaufnahme, die das Ergebnis der Ausgrabungsarbeiten zeigt.

Bilder siehe unter: Jaels Haus




Ausgrabungsabschnitt B (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale auf der Akropolis (1200x800)


An der Westecke der Oberstadt lag ein weiterer Bau aus Ahabs Zeit, nämlich die mauerlose Zitadelle.

Das Bauwerk hatte eine Fläche von 25 m x 21 m und besaß bis zu 2 m dicke Mauern. Heute ist nur noch das Kellergeschoß zu sehen.

Vor der Nordwestecke des Gebäudes führte eine Treppe zum oberen Stockwerk der Zitadelle.

Nördlich der Zitadelle lagen direkt nebeneinander zwei etwa 13 m x 13 m große Verwaltungsgebäude, vielleicht waren es auch Wohnräume für die Familie des Gouverneurs. Südlich lehnte sich ein weiterer Verwaltungsbau an. Die Straße, die diese Bauten von der Festung trennte, hatte einen monumentalen Eingang mit protoionischen Kapitellen.

An der Ostseite der Anlage begann die Stadtmauer, wobei man die salomonische Kasemattenmauer aufgefüllt und darauf die Mauer gebaute hatte.

Die ganze Westspitze hatte keine Stadtmauer, weil der Zitadelenkomplex als ausreichende Verteidigungsanlage galt. Die Gebäude im Norden und Süden waren deshalb bis an den Hügelrand gebaut worden.

Zu Beginn des 8. Jh. v.Chr. verstärkte sich jedoch die drohende Gefahr aus Assyrien. Der Gouverneur von Hazor erkannte, daß die Zitadelle einem Ansturm nicht standhalten würde, und er errichtete deshalb rings um die Zitadelle eine massive Mauer. Teile der Verwaltungsgebäude mussten deshalb geopfert werden. Im Süden wurde der Verwaltungsbau völlig aufgegeben, im Norden wurde der um ein Drittel reduziert. Dafür wurden neue Verwaltungsgebäude im "Vierzimmer-Typ" angefügt. Einer nur wenige Meter vom Haupteingang der Zitadelle entfernt; das andere vor der Südostecke der Zitadelle mit einem Eingang nach Norden.

Vor der strategisch wichtige Nordwestecke setzte er einen separaten Turm, der aus zwei Kammern bestand.

Der ganze Komplex wurde später beim Angriff der Assyrer unter Tiglat-Pileser III. im Jahr 732 v.Chr. völlig zerstört.

Leider ist in diesem Ausgrabungsareal vieles im Laufe der letzten Jahrzehnte erodiert, so daß Teile der faszinierenden Ausgrabungen nicht mehr gut sichtbar sind.

Auch wurde das nordöstliche Fundament des Verwaltungsgebäudes neben dem Eingang abgetragen. Dafür wurde in einer Schicht darunter eine Kultstelle ausgegraben, die aus der Zeit der Richter (ca. 1400 - 1050 v.Chr.) datiert.

Der Turm wurde z.T. wieder aufgebaut, jedoch ohne die beiden Kammern.

In Yadins Buch über Hazor finden Sie auf S. 185 eine ausgezeichnete Luftaufnahme, die das Ergebnis seiner Arbeiten an der Zitadelle zeigt.

Bilder zu Ahabs Zitadelle




Ausgrabungsabschnitt G (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale auf der Akropolis (1200x1200)

In der Nordostecke der Oberstadt lag eine vorgeschobene Bastion, deren Reste aus dem 9.-8. Jh. v.Chr. stammen. Diese Burg bewachte den Zugang zur Oberstadt.

Am Osthang befindet sich das Glacis mit ein mit Steinen ausgekleideter Graben. Diese stammen aus dem 18. Jh. v.Chr..

Zu erkennen sind auf der Ostseite eine ausgefüllte Doppelmauer, die durch Türme verstärkt war. Die Wehrmauer wurde von Omir oder Ahab errichtet. Ein kleines nörliches Tor war damals der Zugang zur Unterstadt. Dieses Tor wurde beim drohenden Angriff der Assyrer aufgefüllt und nach außen mit Steinen versehen, die zur Mauer passten.

Innerhalb der Bastion lag ein großes Getreidesilo.

Auf der Westseite bot eine starke Mauer einer zweite Verteidigungslinie.

Bilder zu Ahabs Bastion




Ausgrabungsabschnitt L (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale auf der Akropolis (1200x800)

Nahe der Südmauer der salomonischen Stadtmauer stießen die Archäologen auf ein gewaltiges Wasserversorgungssystem (Ausgrabungsabschnitt L).

Hier waren die Baumeister Ahabs 40 m tief durch Felsgestein bis zum Grundwasserspiegel vorgestoßen. Eine breite, gegenläufige Rampe im Eingangsbau endet vor einem 19 m x 15 m weiten Schacht. 3 m breite, an den Schachtwänden entlanglaufende Stufen führen 30 m hinab und gehen dann in einen 25 m langen, 4,50 m hohen und 4 m breiten Tunnel über, der über Stufen nochmals 10 m abfällt und in einem etwas 5 m breiten Wasserbecken endet. Die Breite der Treppen läßt darauf schließen, daß das Wasser mit Eseln emporgeholt wurde. Die eindrucksvolle Anlage vermittelt eine Vorstellung von den technischen Fähigkeiten und den geologischen Kenntnissen der israelitischen Baumeister des 9. vorchristlichen Jahrhunderts.

Bilder zum Wassersystem




Ausgrabungsabschnitt M (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale auf der Akropolis (1200x800)

Wenn man die Kasemattenmauer nach Norden hin verlängert gelangt man am nördlichen Rand der Akropolis an die Anschlußstelle, zwischen Ahabs Mauer und der salomonischen Struktur (Ausgrabungsabschnitt M).

Östlich davon befanden sich Wohnareale, die an den dünnen Mauern zu erkennen sind.




Bedeutung der archäologischen Funde in Hazor für die Bibelwissenschaften

Die erstaunlichen und überaus reichen Funde in Tell Hazor bestätigen in beeindruckender Weise den biblischen Bericht über Hazor (vgl. unten den Artikel von Douglas Petrovich: Hazor and its destruction).

Yadin hatte bei seinen Grabungen festgestellt, das Hazor zweimal einem großen Brand zum Opfer gefallen war. Yadin berichtet:

"Das Ende der Lage 1A war das Ergebnis eines gewaltigen Feuers, wie es durch die Asche verdeutlicht wurde, die in den weniger ausgesetzten Flächen in den ausgegrabenen Areales H ud K zeigten." (Yigal Yadin, Hazor - the head of all those Kingdoms, The 1970 Schweich Lecturesof the Britisch Academy [London: Oxford University Press, 1972] zitiert in Petrivoci S. 2).

Er deutet die erste Zerstörung der Stadt Hazor im 15. Jh. v.Chr. - also das Hazor der Lage 2 - als das Ergebnis des Überfalls des ägyptischen Herrschers Thutmose III.. Die zweite Zerstörung der Stadt, nämlich die im 13. Jh v.Chr. - also das Hazor der Lage 1 - interpretierte er als Folge von Josuas Vernichtungszuges. Er vertrat dabei für den Auszug aus Ägypten das 13. Jh. Daraus leitet er ab, daß die Zerstörung Hazors zur Zeit der Richter eine Fiktion(!) des biblischen Schreibers war.

Doch der archäologische Befunde können ganz anders gedeutet werden. Wenn man den Exodus im 15. Jh v.Chr. ansetzt, wie ihn die Bibel beschreibt, dann erkennt man, daß es Josua war, der die Stadt Hazor um 1400 v.Chr. durch Brand vernichtet. (Zur biblischen Datierung vgl. 1. Könige 6,1 [Beginn des Tempelsbaus im Jahr 996 v.Chr. = 480 Jahre nach dem Auszug aus Ägpyten = 1446 v.Chr.])

Gemäß dieser Deutung ist die Zerstörung Hazors um 1230 v.Chr. eindeutig die Zerstörung zur Zeit der Richter. Nach dieser Zerstörung wurde Hazor erst wieder unter König Salomo um 950 v. Chr. aufgebaut. Das Sechskammertor, das man in Hazor fand, unterstreicht die Tatsache, daß Salomo die Stadt als militärischen Stützpunkt ausbautet.

Die aufregenden Funde von Hazor, und auch die in den Städten Gezer und Megiddo, wiesen die moderne bibelkritische Einstellung der sogenannten "Kopenhagener Schule" in ihre Schranken. Diese Richtung und ihre Vertreter hielten David und Salomo für mythische Figuren und deshalb auch das salomonische Großreich für eine Fiktion.

Doch die Funde in den erwähnten Städten bestätigen die biblische Überlieferung und damit das Königreich von David und Salomo. Die Funde sind ein wichtigste Indizienbeweis für die Größe der vereinigten israelitischen Monarchie unter Salomo im 10. Jh. v.Chr.


Archäologische Chronologie

nach Uwe Zerbst / Peter van der Veen: Keine Posaunen vor Jericho?, Edition Psacal 2005

Epoche Zeitraum Ereignis nach Frühdatierung
Kupferzeit vor 3400 v.Chr.  
     
Frühe Bronzezeit 3400 - 1900 v.Chr.  
FBZ I 3400 - 3000 v.Chr.  
FBZ II 3000 - 2700 v.Chr.  
FBZ III 2700 - 2300 v.Chr.  
FBZ IV 2300 - 1900 v.Chr.  
     
Mittlere Bronzezeit 1900 - 1550 v.Chr.  
MBZ I 1900 - 1750 v.Chr.  
MBZ II 1750 - 1650 v.Chr.  
MBZ III 1650 - 1550 v.Chr.  
     
Späte Bronzezeit I 1550 - 1400 v.Chr. Auszug aus Ägypten - ca. 1450 v.Chr. (laut biblischer Chronologie)
Späte Bronzezeit IIa 1400 - 1300 v.Chr. Eroberung Kanaans durch Josua ab ca. 1400 v.Chr. - erste Zerstörung Hazors
Späte Bronzezeit IIb 1300 - 1200 v.Chr. Erneute Zerstörung Hazors zur Zeit der Richter (Deborah)
     
Eisenzeit I 1200 - 1000 v.Chr. König David ca. 1012-972 v.Chr.
König Salomo ca. 972-931 v.Chr.
Eisenzeit II 1000 - 587 v.Chr. Geteiltes Reich ab ca. 930 v.Chr.
König Abab 874-853 v.Chr.
König Jerobeam II. 782-753 v.Chr.
     
Persische Zeit 525 - 332 v.Chr.  
Hellenistische Zeit 332 - 37 v.Chr.  
Römische Zeit 37 v.Chr. - 300 n.Chr.  
Byzantinische Zeit 300 n.Chr. - 640 n.Chr.  




Bilder von Tell Hazor


Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar


Quellen



Weitere Informationen im Internet



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Ins Netz gesetzt am 13.06.2013; letzte Änderung am 21.03.2017

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