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"Hazor" (Tell Hazor)

Die archäologischen Sehenswürdigkeiten in Hazor



Info: Ausführlicher Bericht über die Ausgrabungen in Hazor:
Archäologische Funde in Tell Hazor




Hazor im Alten Testament

Die Stadt Hazor lag im Norden des Landes Israel, ca. 15 km nördlich vom See Genezareth, an einer strategisch günstigen Stelle.

Hazor war die einstige Hauptstadt aller kanaanitischen Königreiche, die im 15. und 13. Jh. v.Chr. zu den größten Städten des Orients gehörte. Später, im 10. Jh. v.Chr., wurde sie unter den Israeliten eine bedeutende Festung.

Tell Hazor hat sich - neben Meggido und Gezer - als einer der berühmtesten und reichsten kanaanitischen Ausgrabungsstätten des Nahen Ostens gezeigt. Anhand der Funde ist es gelungen, zweitausend Jahre der vorchristlichen Geschichte Israels zu rekonstruieren.







Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Anfahrt und Eingangsbereich

Hazor ist ein meist unbekannte Stätte, die von kaum jemand besucht wird. Sie ist aber unbedingt einen Besuch wert.

Wer von Süden über die Landstraße 90 anreist, der sieht an der kleinen Abzweigung, die zum Kibbutz Ayelet HaShahar führt, bereits aus 1,5 km Entferung den markanten Hügel, auf dem die Ruinen von Hazor liegen.

Am Fuß des Hügels führt auf der Ostseite die ca. 150 m lange Zugangsstraße zur Kasse und von dort gelangt man direkt auf das Ausgrabungsareal.

Bilder der Anfahrt und des Eingangsbereichs




Die archäologischen Grabungen auf TELL HAZOR

Die Ausgrabungen in Hazor umfassen zwei Teile, nämlich im Süden und im Norden.

Siehe die Zeichnung ==> Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

Im Süden befindet sich erste Siedlung in Hazor. Sie liegt auf der flaschenförmigen Akropolis (Oberstadt). Sie ist 600 m lang und 200 m breit. Die Mauern der Oberstadt aus dem 18. Jh. v.Chr. wurden von den ägyptischen Hyksos errichtet und weisen oft besonders eindrucksvolle Verzierungen auf.

Im Norden befindet sich auf dem Plateau die Neustadt (Unterstadt), die auf einer ca. 1.000 x 700 m großer Fläche liegt. Von der Unterstadt ist heute so gut wie nichts zu sehen, da sie bisher nur zu einem sehr geringen Teil ausgegraben. Die Grabungsstellen sind heute leider wieder überwachsen, so daß sie keine Attraktion sind. Was auf dem Plateau gefunden wurde, ist sehr sehenswert und weiter unten im Text beschrieben.



Archäologische Funde auf der Akropolis (Oberstadt)

Auf der Akropolis wurde viel intensiver gegraben als in der Unterstadt, und auch hier waren die Funde sensationell.









Ausgrabungsabschnitt A (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x800)

In der Mitte der Oberstadt befinden sich die markantesten Ruinen.


Aus kanaanitischer Zeit: Heiligtümer und ein Palast

Unter den Fundemanten der salomonischen Toranlage befand sich der sogenannte Nordtempel mit einem Orthostaten-Eingang. Er war vermutlich der Privattempel des Königs.

Etwas südlicher lag der Südtempel, dessen Fundamente freigelegt wurden.

Ein prachtvoller Palast stand wenige Meter nordwestlich des Südtempels.

Bilder des kanaanitischen Palastes von König Jabin

Bilder der Tempel Tempel (Nordtempel / Südtempel)




Aus der Zeit Salomos (10. Jh. v.Chr.): die Toranlage und die Kasemattenmauer und die Kasernen.

In seiner zweiten Grabungsperiode stieß der israelische Archäologe Yigael Yadin in den 60er Jahren auf die Kasemattenmauer und das Haupttor der Stadt Salomos.

Die Kasemattenmauer bestand aus 8-10 m langen und 2,50 m breiten Räumen; die Mauern waren bis zu 1,50 m dick. Der Torbau mit seiner 4,20 m breiten, gepflasterten Durchfahrt besaß sechs Kammern, die als Wachstuben dienten, und zu beiden Seiten des Eingangs je einen vorgesetzten Turm.

Diverse Kasernen befanden sich unter dem Pfeilergebäude aus der Zeit von König Ahas (9. JH. v.Chr.). Sie sind jedoch abgetragen worden, um die darunterliegenden Schichten zu erforschen (Yadin beschreibt sie in seinem Bericht über Hazor).

Bilder der salomonischen Toranlage




Aus der Zeit Ahabs (9. Jh. v.Chr.): zwei Lagergebäude

Deutlich erkennbar ist ein ca. 20 m x 30 m großes Pfeilergebäude. Zwei Pfeilerreihen trugen das Obergeschoß des Vorratshauses.

Nach Norden schließt sich ein weiterer Bau an, der aus zwei Hallen bestand. Hier lagerten die Getreidevorräte für Ahabs Garnison.



Aus der Zeit Jerobeam II. (8. Jh. v.Chr.): zwei Wohnhäuser und Verwaltungsgebäude (bei de Zitadelle).

Südwestlich des Vorratshauses fand man die Grundmauern zweier Wohnhäuser, die durch das gewaltige Erdbeben des Jahres 763 v. Chr. zerstört wurden.

Das eine Haus (Jaels Haus) war ein typisches israelitisches Eckhof-Säulenhaus. Es ist heute an eine andere Stelle versetzt worden und dort zu besehen.

Im anderen Haus (Haus der Makhbiram) fand man kunstvolle Elfenbein- und Knochenschnitzereien. Dieses Haus wurde agbetragen und ist heute nicht mehr zu bestaunen.

Beide Bauten stammen aus der Zeit Jerobeam II.

Bilder von Jaels Haus




Ausgrabungsabschnitt B (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x800)




Tell Hazor Zitadelle Skizze klein


An der Westecke der Oberstadt lag ein weiterer Bau aus Ahabs Zeit, nämlich die mauerlose Zitadelle.

Das Bauwerk hatte eine Fläche von 25 m x 21 m und besaß bis zu 2 m dicke Mauern. Heute ist nur noch das Kellergeschoß zu sehen.

Vor der Nordwestecke des Gebäudes führte eine Treppe zum oberen Stockwerk der Zitadelle.

Nördlich der Zitadelle lagen direkt nebeneinander zwei etwa 13 m x 13 m große Verwaltungsgebäude, vielleicht waren es auch Wohnräume für die Familie des Gouverneurs. Südlich lehnte sich ein weiterer Verwaltungsbau an. Die Straße, die diese Bauten von der Festung trennte, hatte einen monumentalen Eingang mit protoionischen Kapitellen.

An der Ostseite der Anlage begann die Stadtmauer, wobei man die salomonische Kasemattenmauer aufgefüllt und darauf die Mauer gebaute hatte.

Die ganze Westspitze hatte keine Stadtmauer, weil der Zitadelenkomplex als ausreichende Verteidigungsanlage galt. Die Gebäude im Norden und Süden waren deshalb bis an den Hügelrand gebaut worden.

Zu Beginn des 8. Jh. v.Chr. verstärkte sich jedoch die drohende Gefahr aus Assyrien. Der Gouverneur von Hazor erkannte, daß die Zitadelle einem Ansturm nicht standhalten würde, und er errichtete deshalb rings um die Zitadelle eine massive Mauer. Teile der Verwaltungsgebäude mussten deshalb geopfert werden. Im Süden wurde der Verwaltungsbau völlig aufgegeben, im Norden wurde der um ein Drittel reduziert. Dafür wurden neue Verwaltungsgebäude im "Vierzimmer-Typ" angefügt. Einer nur wenige Meter vom Haupteingang der Zitadelle entfernt; das andere vor der Südostecke der Zitadelle mit einem Eingang nach Norden.

Vor der strategisch wichtige Nordwestecke setzte er einen separaten Turm, der aus zwei Kammern bestand.

Der ganze Komplex wurde später beim Angriff der Assyrer unter Tiglat-Pileser III. im Jahr 732 v.Chr. völlig zerstört.

Bilder von Ahabs Zitadelle (9. Jh. v.Chr.)


Leider ist auf dem Ausgrabungsareal der Zitadelle etliches im Laufe der letzten Jahrzehnte erodiert, so daß etliche faszinierenden Funde nicht mehr sichtbar sind.

Auch wurde das nordöstliche Fundament des neuen Verwaltungsgebäudes neben dem Haupteingang abgetragen. Dafür wurde in einer Schicht darunter eine Kultstelle ausgegraben, die aus der Zeit der Richter (ca. 1400 - 1050 v.Chr.) datiert.

Der Turm aus Jerobeams Zeit (8. Jh v.Chr.) an der Nordwestseite wurde im Jahr 1999 z.T. wieder aufgebaut, jedoch ohne die beiden Kammern.

Bilder vom Turm aus Jerobeams Zeit (8. Jhd. v.Chr.)

Bilder von der Kultstelle aus der Richterzeit (ca. 1400 - 1050 v.Chr.).




Ausgrabungsabschnitt G (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x1200)

In der Nordostecke der Oberstadt lag eine vorgeschobene Bastion, deren Reste aus dem 9.-8. Jh. v.Chr. stammen. Diese Burg bewachte den Zugang zur Oberstadt.

Am Osthang befindet sich das Glacis mit einem mit Steinen ausgekleideter Graben. Diese stammen aus dem 18. Jh. v.Chr..

Zu erkennen sind auf der Ostseite eine ausgefüllte Doppelmauer, die durch Türme verstärkt war. Die Wehrmauer wurde von Omir oder Ahab errichtet. Ein kleines nörliches Tor war damals der Zugang zur Unterstadt. Dieses Tor wurde beim drohenden Angriff der Assyrer aufgefüllt und nach außen mit Steinen versehen, die zur Mauer passten.

Innerhalb der Bastion lag ein großes Getreidesilo.

Auf der Westseite bot eine starke Mauer einer zweite Verteidigungslinie.

Auf diesem prachtvollen Areal ist leider sehr viel in den vergangenen Jahrzehnten erodiert und die Ausgrabungen sind nur sehr schwer zu erkennen.

Bilder von Ahabs Bastion




Ausgrabungsabschnitt L (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x800)

Nahe der Südmauer der salomonischen Stadtmauer stießen die Archäologen auf ein gewaltiges Wasserversorgungssystem (Ausgrabungsabschnitt L).

Die Baumeister Ahabs (9. Jhd. v.Chr.) hatten einen Schacht 40 m tief durch Felsgestein bis zum Grundwasserspiegel gegraben.

Bilder von Ahabs Wassersystem




Ausgrabungsabschnitt M (Akropolis) / Skizze: Grabungsareale in Hazor (1200x800)

Wenn man die Kasemattenmauer nach Norden hin verlängert gelangt man am nördlichen Rand der Akropolis an die Anschlußstelle, zwischen Ahabs Mauer und der salomonischen Struktur (Ausgrabungsabschnitt M).

Östlich davon befanden sich Wohnareale, die an den dünnen Mauern zu erkennen sind.



Bedeutung der archäologischen Funde in Hazor für die Bibelwissenschaften

Die erstaunlichen und überaus reichen Funde in Tell Hazor bestätigen in beeindruckender Weise den biblischen Bericht über Hazor (vgl. unten den Artikel von Douglas Petrovich: Hazor and its destruction).

Yadin hatte bei seinen Grabungen festgestellt, das Hazor zweimal einem großen Brand zum Opfer gefallen war. Yadin berichtet:

Das Ende der Lage 1A war das Ergebnis eines gewaltigen Feuers, wie es durch die Asche verdeutlicht wurde, die in den weniger ausgesetzten Flächen in den ausgegrabenen Areales H ud K zeigten. (Yigal Yadin, Hazor - the head of all those Kingdoms, The 1970 Schweich Lecturesof the Britisch Academy [London: Oxford University Press, 1972] zitiert in Petrivoci S. 2).

Er deutet jedoch die erste Zerstörung der Stadt Hazor im 15. Jh. v.Chr. - also das Hazor der Lage 2 - als das Ergebnis des Überfalls des ägyptischen Herrschers Thutmose III.. Die zweite Zerstörung der Stadt, nämlich die im 13. Jh v.Chr. - also das Hazor der Lage 1 - interpretierte er als Folge von Josuas Vernichtungszuges. Er vertrat dabei dür den Auszug aus Ägypten das 13. Jh. Daraus leitet er auch ab, daß die Zerstörung Hazors zur Zeit der Richter eine Fiktion des biblischen Schreibers war.

Doch der archäologische Befunde können ganz anders gedeutet werden. Wenn man den Exodus im 15. Jh v.Chr. ansetzt, wie es die Bibel beschreibt, dann erkennt man, daß es Josua war, der die Stadt Hazor um 1400 v.Chr. durch Brand vernichtet. (Zur Datierung vgl. 1. Könige 6,1 [Beginn des Tempelsbaus im Jahr 996 v.Chr. = 480 Jahre nach dem Auszug aus Ägpyten = 1446 v.Chr.])

Nach dieser Deutung ist dann die Zerstörung Hazors um 1230 v.Chr. eindeutig die Zerstörung zur Zeit der Richter. Nach dieser Zerstörung wurde Hazor erst wieder unter König Salomo aufgebaut. Das Sechskammertor, das man in Hazor fand, unterstreicht die Tatsache, daß Salomo die Stadt als militärischen Stützpunkt ausbautet.

Die aufregenden Funde von Hazor, und auch die in den Städten Gezer und Megiddo, wiesen die moderne bibelkritische Einstellung der sogenannten "Kopenhagener Schule" in ihre Schranken. Diese Richtung und ihre Vertreter hielten David und Salomo für mythische Figuren und deshalb auch das salomonische Großreich für eine Fiktion.

Doch die Funde in den erwähnten Städten bestätigen die biblische Überlieferung und damit das Königreich von David und Salomo. Die Funde sind ein wichtigste Indizienbeweis für die Größe der vereinigten israelitischen Monarchie unter Salomo im 10. Jh. v.Chr.



Quellen



Weitere Informationen im Internet



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Ins Netz gesetzt am 22.02.2017; letzte Änderung am 22.03.2017

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