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"Ahabs Zitadelle" in Hazor (Tell Hazor)

Im 9. Jh. v.Chr. baute Ahab auf dem Westzipfel der Akropolis seine Zitadelle.



Info: Ausführlicher Bericht über die Ausgrabungen in Hazor:
Archäologische Funde in Tell Hazor

Grafik: Lage von »Hazor«


Hazor im Alten Testament

Die Stadt Hazor wird im Alten Testament mehrmals erwähnt. Sie lag im Norden des Landes, ca. 15 km nördlich vom See Genezareth, an einer strategisch günstigen Stelle. Um 1850 v.Chr. wurde Hazor erstmals in den ägyptischen Ächtungstexten erwähnt; später (1650 v.Chr.) war die Stadt eine der stärksten Festungen Kanaans.

Hazor war die einstige Hauptstadt aller kanaanitischen Königreiche, die im 15. und 13. Jh. v.Chr. zu den größten Städten des Orients gehörte. Später, im 10. Jh. v.Chr., wurde sie unter den Israeliten eine bedeutende Festung.

Hazor ist heute eine Ruine und zwar an der Stelle, an der sich das mächtige Plateau des TELL HAZOR (arabisch Tell Waqqas oder Tell el-Qedah), erhebt.

Tell Hazor hat sich als einer der berühmtesten und reichsten kanaanitischen Ausgrabungsstätten des Nahen Ostens gezeigt. Anhand der Funde ist es gelungen, zweitausend Jahre der vorchristlichen Geschichte Palästinas zu rekonstruieren.



Ausgrabungsabschnitt B (Akropolis) / Zeichnung: Grabungsareale in Hazor (1200x800)

In Hazor zeigen archäologische Untersuchungen rege Bauttätigkeiten aus der Zeit von König Ahab. Ahab war König des Nordreiches Israel und ein Sohn des Königs Omri. Er regiert von 871-852 v.Chr.

Die archäologischen Ergebnisse deuten – wie auch die Erwähnung der hohen Truppenkontingente in den Annalen Salmanassars III. – auf einen wirtschaftlichen Aufschwung unter Omri und Ahab hin. Das schlug sich auch in aufwendigen Bauprojekten in Hazor nieder, denn dort errichtete Ahab unter anderem auf der Akropolis eine Zitadelle.



Ahabs Zitadelle (9. Jh. v.Chr.)


Tell Hazor in Israel - vergrößerbar


Ahabs Zitadelle in Hazor - Skizze groß



Ahabs Zitadelle in Hazor - Zeichnung


Die mauerlose Zitadelle in der Oberstadt umfasste mit den verschiedenen Verwaltungsgebäuden die ganze Westecke der Akropolis. An dieser Stelle hatten schon vor Ahab andere Herrscher ihre militärische Präsenz dokumentiert.

Das Bauwerk hatte eine Fläche von 25 m x 21 m und besaß bis zu 2 m dicke Mauern. Heute ist nur noch das Kellergeschoß zu sehen.

Von der Nordwestecke des Gebäudes führte eine Treppe zum oberen Stockwerk der Zitadelle. Die Treppe ist nicht erhalten geblieben

Die Zitadelle war im "Vierraumhaus"-Stil erbaut (vgl. "Vierraumhaus"). Die Bezeichnung bezieht sich auf die Aufteilung des Grundrisses in vier Bereiche. Dabei sind drei längliche Rechtecke parallel, durch Reihen von Stützen getrennt, angeordnet und werden an einem Ende auf der ganzen Breite von einem querliegenden rechteckigen Raum begrenzt.

Die Ruinen der Zitadelle lassen gut die Struktur des "Vierraumhauses" erkennen.

Die obere Etage bestand vermutlich aus einem eingeschlossenen Hof, der auf drei Seiten (Norden / Süden / Osten) von Räumen umgeben war. Dabei begrenzte in diesem Bau der nördliche Raum die gesamte Länge der Zitadelle. Auf der Ostseite war somit nicht die gesamte Breite des Baus für den Zimmertrakt vorgesehen.

Die Mittelhalle war offen und diente als eine Art Patio. Im Keller war sie von einer Wand abgestützt.

Der ebenerdige monumentale Haupteingang im Osten zur Zitadelle führte durch einen langen überdachten Korridor an der Nordwand entlang bis zur Treppe ganz im Westen. Von dort ging es dann in die Säle und den Patio des oberen Stockwerks.


Nördlich der Zitadelle lagen direkt nebeneinander zwei etwa 13 m x 13 m große Verwaltungsgebäude. Vielleicht dienten sie auch als Wohnräume für die Familie des Gouverneurs und seines Stabes. Die Grundmauern sind gut erkennbar.

Südlich der Zitadelle stand ein weiterer Verwaltungsbau. Dieser Bau wurde später aufgegeben, da er einer massiven Schutzmauerweichen musste. Es sind heute somit nur noch Rudimente dieses Baus erkennbar.

Der Korridore, die die nördlichen Bauten von der Festung trennte, hatte einen monumentalen Eingang mit protoionischen Kapitellen. Der Eingang mit den Kapitellen ist heute im Israel-Museum in Jerusalem zu sehen.

An der nördlichen und südlichen Ostseite der gesamten Anlage begann die Stadtmauer, wobei man die salomonische Kasemattenmauer aufgefüllt und darauf die Mauer errichtet wurde.

Die ganze Westspitze hatte keine Stadtmauer, weil der Zitadellenkomplex als ausreichende Verteidigungsanlage galt. Die Gebäude im Norden und Süden waren deshalb bis an den Hügelrand gebaut worden.



Spätere Bautätigkeiten im 8. Jh. v.Chr. (Jerobeam II.)

Zu Beginn des 8. Jh. v.Chr. ging es in diesem Gebiet nach einer Zeit des Verfalls wieder aufwärts. Die Zitadelle wurde repariert und die Verwaltungsgebäude im Norden und Süden restauriert.

Diverse bauliche Veränderungen wurden vorgenommen: Es wurden neue Böden eingezogen; die Innenhöfe der nördlichen Bauten wurden durch eine Reihe monolithischer Pfeile weiter unterteilt, die in eine niedrige Mauer eingelassen waren. So wurde einen Teil des Hofes in einen schattigen Ort verwandelten.

Im vierten und fünften Jahrzehnt des 8. Jahrhunderts v.Chr. begann eine kritische Zeit. Es drohte Gefahr aus Assyrien. Während dieser Zeit unter Jerobeam II. erkannte der Gouverneur von Hazor, daß die Zitadelle einem Ansturm nicht standhalten würden und errichtete deshalb rings um die Zitadelle eine massive Mauer. Teile der Verwaltungsgebäude mussten deshalb geopfert werden.

Im Süden wurde der Verwaltungsbau völlig aufgegeben, im Norden wurde er um ein Drittel reduziert. Dafür wurden neue Verwaltungsgebäude im "Vierzimmer-Typ" angefügt. Eines nur wenige Meter vom Haupteingang der Zitadelle entfernt; ein andere vor der Südostecke der Zitadelle mit einem Eingang nach Norden (In der Publikation von Yadin "Hazor", Hoffmann und Campe, 1976, sind diese Bauten auf S. 173 gut zu erkennen).

Vor der strategisch wichtige Nordwestecke setzte er einen separaten rechteckigen Turm (10 x 7 Meter), der aus zwei Kammern bestand.

Der ganze Komplex wurde fiel jedoch zur Zeit Pekachs dem Angriff der Assyrer unter Tiglat-Pileser III. [745-727 v.Chr.) im Jahr 732 v.Chr. zum Opfer und wurde völlig zerstört.


2. Könige 15,20 (Luther 1984)

"29 Zu der Zeit Pekachs, des Königs von Israel, kam Tiglat-Pileser, der König von Assyrien, und nahm Ijon, Abel-Bet-Maacha, Janoach, Kedesch, Hazor, Gilead und von Galiläa das ganze Land Naftali und führte sie weg nach Assyrien."



Das Ausgrabungsareal heute

Leider ist dieses Ausgrabungsareal in den vergangenen Jahrzehnten erodiert, so daß Teile der faszinierenden Funde nur schwer zu erkennen sind.

Auch wurde das Verwaltungsgebäudes aus der Zeit Jerobeams II., das nur wenige Meter nordöstlich neben dem Eingang stand, fast gänzlich abgetragen. Dafür wurde in einer Schicht darunter eine Kultstelle ans Tageslicht gebracht, die aus der Zeit der Richter stammt (ca. 1400 - 1050 v.Chr.). Diese Opferstelle war damals der höchste Punkt von Hazor. Diverse Opfergegenstände wurde gefunden, unter anderem ein Weihrauchopfergefäß und ein Kultpfahl. Dieser steht noch heute an seiner Fundstelle.

Der nordwestliche Turm aus dem 8. Jh. v.Chr. wurde im Jahr 1999 z.T. wieder aufgebaut, jedoch ohne die beiden Kammern.



Bilder von Ahabs Zitadelle (9. Jh. v.Chr.) und die späteren Anbauten unter Jerobem II. ( 8. Jh. v.Chr.)


Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar


Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar



Ahabs Zitadelle auf Tell Hazor in Israel - vergrößerbar


Quellen und Literatur



Weitere Informationen im Internet



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Ins Netz gesetzt am 22.06.2015; letzte Änderung 04.11.2017

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