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Die "Deutsch-lutherische Erlöserkirche" in Jerusalem

Sehenswürdigkeiten im christlichen Altstadtviertel von Jerusalem

Die Bilder sind vergrößerbar.



Kurze Information

Am 31.10.1898 wurde die evangelisch-lutherische Kirche im Jerusalemer Altstadtviertel eingeweiht.



Ausführliche Informationen

Die evangelisch-lutherische Erlöserkirche befindet sich im östlichen christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt, ganz in der Nähe der Grabeskirche. An der Nordseite der Kirche verläuft das letzte Stück der Via Dolorosa.


Geschichte des Ortes

Die Überlieferung erzählt, dass bereits Karl der Große das Gelände, auf dem die Erlöserkirche steht, zu Beginn des 9. Jahrhunderts als Geschenk des Khalifen Harun al-Raschid erhalten habe.

Im Jahre 1064 ging das Grundstück in den Besitz eines italienischen Kaufmanns aus Amalfi über. In jenen Jahrhunderten wurden hier u.a. der Konvent Santa Maria Latina und das Hospital zum Heiligen Johannes errichtet.

1099 schließlich entstand an diesem Ort der Hospitaliter- bzw. Johanniterorden, der sich hier während des Jahrhunderts der Kreuzzüge der Krankenpflege widmete und zeitweilig bis zu 2000 Kranke gleichzeitig im Hospital aufnahm.


Preußen kommt in den Besitz des östlichen Muristan (19. Jh.)

Mit den Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts entstand ein neues, breites Interesse europäischer Christen am Heiligen Land. Im Jahr 1841 wurde das gemeinsame anglikanisch-preußische Bistum gegründet, welches bis 1886 Bestand hatte. Im Jahr 1869 konnte der damalige Kronprinz Friedrich-Wilhelm den östlichen Teil des alten Muristan für Preußen wieder in Besitz nehmen.

Bereits 1871 wurde die Johanniter-Kapelle im ersten Stock des Kreuzgangs (wahrscheinlich das Refektorium der Benediktiner, welche das Gebäude einst bewohnten) wieder hergestellt und für deutschsprachige Gottesdienste genutzt. Gleichzeitig erhielt der Berliner Architekt und Bauhistoriker Friedrich Adler den Auftrag, die Kirche Santa Maria Latina wieder zu errichten.


Der Bau der Erlöserkirche (1893-1898)

1893 wurde der Grundstein der Erlöserkirche gelegt. In den folgenden Jahren wurde diese auf den Umfassungsmauern der alten romanischen Kirche erbaut.

Am Reformationstag, dem 31. Oktober 1898, wurde die Kirche in Gegenwart von Kaiser Friedrich Wilhelm II. und seiner Ehefrau Auguste Victoria eingeweiht. Der Predigt lag das Bibelwort zugrunde, das zugleich den Namen erklärt: "Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass solches zu seiner Zeit gepredigt würde." (1. Timotheus 2,5f.).

Die Bauinschrift, angebracht an der Wand des nördlichen Seitenschiffs, lautet:

Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen! Unserem Herrn Jesus Christus dem Erlöser der Welt geweiht ist dieses Gotteshaus, errichtet da, wo einst die von dem ritterlichen Orden St. Johannis vom Spital zu Jerusalem erbaute Kirche St. Maria sich erhob. Durch Jahrhunderte lag die Stätte in Schutt und Trümmern, bis sie im Jahre 1869 nach des Herrn Geburt von dem Kaiser der Osmanen dem Könige von Preußen, nachmaligen deutschen Kaiser, Wilhelm dem Großen, geschenkt und für allerhöchstdenselben von dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, nachmaligen Kaiser Friedrich III., in Besitz genommen wurde. Auf Befehl des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, Wilhelm II., ist diese Kirche in den Jahren 1893 bis 1898 erbaut und am 31sten Tage des Oktobermonats 1898 in allerhöchstdessen und der deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, Auguste Victoria Gegenwart ihrer heiligen Bestimmung übergeben.

Der 43 m hohe Turm der Kirche ist ein dominierender Bestandteil der Silhouette der Altstadt von Jerusalem. Der Turm erhielt ein Geläut aus drei Glocken (d', f', a'), die Franz Schilling aus Apolda fertigte, von dem auch die Glocken der Schlosskirche in Wittenberg stammen. Nachdem man die 177 Stufen bis zum Aussichtsturm hoch gestiegen ist, hat man von oben einen einmaligen Rundblick über die Jerusalemer Altstadt.


Die Neugestaltung des Kirchenraum (1970-73)

Von 1970-73 wurde die Kirche von Ernst W. Krüger grundlegend neu gestaltet. Dabei wurden die Bemalungen der Wände bis auf den Christuskopf in der Apsis, eine wertvolle Mosaikarbeit, entfernt; Altar und Kanzel wurden gründlich verändert.

Gleichzeitig wurden unter der Kirche Ausgrabungen begonnen, bei denen ein Steinbruch gefunden wurde, welcher zur Zeit von Jesu außerhalb der Stadtmauer gelegen haben muss. Damit wird die Theorie gestützt, Golgatha könne sich etwa dort befunden haben, wo heute die Grabeskirche steht.

Die Kirchenfenster wurden von der jüdischen Glasmalerin Anna Andersch-Marcus gestaltet. Sie stellen das Wort aus Psalm 130 dar: "Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. HERR, höre meine Stimme!"

Die Orgel, welche sich heute auf einer Empore über dem Haupteingang befindet (ihre Vorgängerin stand einst im nördlichen Seitenschiff), wurde 1971 von dem Berliner Orgelbauer Karl Schuke geschaffen. Sie verfügt über 21 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal.

Unter der Apsis des nördlichen Seitenschiffes steht heute der Taufstein; dahinter wurde im Jahr 1998 ein Vortragekreuz aufgestellt, welches der Künstler Hubertus von Pilgrim für die Kirche geschaffen hat. Die Ikone in der Apsis des südlichen Seitenschiffes wurde zum Jerusalemer Ökumenischen Kirchentag 1991 von Benediktinerinnen auf dem Ölberg geschrieben. Sie erinnert an die Geschichte Noahs und zeigt Jesus Christus als Ebenbild des Vaters, wie er den Regenbogen als Zeichen des Friedens in die Wolken setzt.

Quellen: Infoblatt der Kirchengemeinde



Regenten

Wilhelm I. 1797-1888 Regent: 1858 - 1888 Seit 1858 Regent und seit 1861 König von Preußen.
Friedrich III. 1831-1888 Regent: 1888 Er war nur 99 Tage Deutscher Kaiser und König von Preußen.
Wilhelm II. 1859-1941 Regent: 1888 - 1918 Der letzte deutsche Kaiser



Die Erlöserkirche in Jerusalem - Lageskizze














































































Erlöserkirche - vergrößerbar



Erlöserkirche - vergrößerbar







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Ins Netz gesetzt am 14.12.2009; Letzte Änderung 12.08.2017
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