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Das "koptische Patriarchat" in Jerusalem

Sehenswürdigkeiten im christlichen Altstadtviertel von Jerusalem

Die Bilder sind vergrößerbar.


Die koptisch-orthodoxe Kirche in Jerusalem

Neben der 9. Station der Via Dolorosa befindet sich das Anwesen des "koptischen Patriarchats". Bereits auf den letzten 100 m, die zur 9. Station führen, läuft man an Mauern entlang, hinter denen sich Gebäude der Kopten befinden.

Den Eingang zum koptischen Kloster, der Kirche und dem koptischen Patriarchat kann man nicht verfehlen. Das große Areal, das sich praktisch auf einem Teil des Daches der Grabeskirche befindet, ist der Sitz der Jerusalemer Kopten und ihres Bischofs.

Zu den koptischen Besitztümern gehören die Residenz des Bischofs, das St. Antonius-Kloster, 5 Kirchen (St. Bishoy Kirche; St. Maria-Kirche; St. Helena-Kirche mit einer großen unterirdischen Zisterne [Bilder der Kirche siehe weiter oben]; St. Jakobus-Kirche; koptische Kapelle in der Grabeskirche) und das koptische St. Antonius Kolleg.

Den Kopten gehören außerdem das St. Georg-Kloster, das St. Maria-Kloster, das St. Demiana Kolleg und ein Altar im Mariengrab im Garten Gethsmane.

Die Koptische Kirche wurde durch die Königin Helena gegründet und ist seit dem 4. Jh. in Jerusalem präsent.



Der koptische Kirchenbau und Kirchenraum

In Ägypten sind einige Kirchen über Gräbern von Heiligen erbaut, andere entstanden an heiligen Orten, die die Heilige Familie in Ägypten besucht hat. Manche Kirchen waren sogar Schauplätze von Wundern oder außergewöhnlichen Ereignissen, wie z.B. die Kirche in den Mokkatambergen in Kairo, die Kirche im El-Their-Gebirge nahe der Stadt Menia oder das Moharrakkloster in Oberägypten.

In den meisten koptischen Kirchen werden Reliquien ehrenvoll aufbewahrt, denn die Beziehung zu Heiligen und Kirchenvätern darf niemals in Vergessenheit geraten. Obwohl diese Heiligen längst aus der Welt geschieden sind, glauben die Kopten, dass sie weiter leben. Menschen, die zu ihnen beten, erhalten von ihnen Schutz und Hilfe in schwierigen Situationen. Jede Kirche trägt den Namen eines Heiligen, z.B. den Namen der heiligen Jungfrau Maria, des heiligen Georg, des heiligen Markus oder der heiligen Barbara. Andere Kirchen tragen den Namen eines himmlischen Wesens, z.B. des Erzengels Gabriel oder Michael.

Die Bauformen der Kirchen sind entweder ein Kreuz, eine Arche oder schlicht und einfach kreisförmig. Die Kreuzform symbolisiert die Erlösung durch das Kreuz. Die Arche soll an die Errettung Noahs und seiner Familie vor der Sintflut erinnern. Eine kreisförmige Kirche symbolisiert die Ewigkeit unsers Herrn. Der koptische Kirchenbau ist in Wahrung altkirchlicher Tradition streng nach Osten ausgerichtet, denn aus dem Osten kam der Stern von Bethlehem und führte die drei Weisen ins gelobte Land. Der Altar befindet sich im Osten der Kirche und liegt um einige Stufen höher als das Kirchenschiff. Schon durch die Anordnung der Bänke werden die Gläubigen nach Osten orientiert, mit Blickrichtung auf das eigentliche Geschehen am Altar oder am Lesungs- und Rednerpult.

Der Kirchenraum für die Gemeinde war ursprünglich von Osten nach Westen beziehungsweise von oben nach unten dreigeteilt: vorne saßen die getauften Gläubigen, dahinter die noch nicht getauften Gläubigen, im hintersten Teil die Menschen, die weder gläubig noch getauft waren. Der Kirchenraum für die Laien, die Gemeinde oder - nach koptischem und all-gemein orthodoxem Sprachgebrauch - für das Volk beansprucht räumlich die größte Fläche.

Der Altarraum, auch "Haikal" genannt, ist vom übrigen Kirchenschiff durch die Ikonostasis abgetrennt. Sie symbolisiert die Wand der Trennung des Alten Testaments, die zur Wand der Bilder im Neuen Testament geworden ist. Die Ikonostasis hat eine Mitteltüre, die den Blick zum Altar freigibt. Durch die beiden Seitentüren betreten die Gläubigen den Altarraum zum Empfang der Heiligen Kommunion. Viele Ikonostasisn haben zusätzlich zwei Fenster. Der Altarraum ist an die Stelle des alttestamentlichen Allerheiligsten getreten. Er ist nunmehr sichtbar und auch zugänglich, wenn auch der Zutritt an Auflagen gebunden bleibt. Das Betreten des Allerheiligsten ist ausschließlich Priestern und Diakonen erlaubt, und auch diesen nur in Verbindung mit liturgischen Aufgaben und nur in liturgischen Gewändern. In den meisten Kirchen wird auch die heilige Kommunion im Altarraum ausgeteilt. Stets wird der Altarraum ohne Schuhe betreten. Die Gläubigen müssen die Schuhe auch vor der Teilnahme am Abendmahl ausziehen, und zwar unabhängig davon, ob die Kommunion im Altarraum ausgeteilt wird oder außerhalb. In den Altarraum dürfen nur solche Gegenstände mitgebracht werden, die für gottesdienstliche Zwecke gebraucht werden.

Der Altar - "Madbah" - steht in der Mitte des Heiligtums, des Haikal. Auf ihm befindet sich der Thron für den Kelch (Kursi al Kas), vergleichbar mit dem Tabernakel in der katholischen Kirche, ein vier- oder achteckiger Kasten aus Holz. Darin wird der Kelch mit dem Messwein aufbewahrt. Der Thron ist ein rechteckiger Behälter, der an allen Seiten mit Ikonen geschmückt ist. Davor haben die Patene (Teller) mit den heiligen Hostien (Brotteilchen) und der Asteriskos (Kuppel für die Patene) ihren Platz. Der Priester steht mit Blick nach Osten und mit dem Rücken zur Gemeinde vor dem Altar.

Vor dem Altar befindet sich eine Holzwand, die so genannte Ikonostasis, die den Altarraum vom übrigen Kirchenschiff trennt. Diese Ikonostasis hat drei Eingänge, wobei die Seiteneingänge von den Kommunizierenden benutzt werden, der Mittel-Eingang, der den Blick auf den Altar frei gibt, nur vom Priester und den Diakonen. Oberhalb der Ikonostasis befindet sich ein Kreuz mit dem gekreuzigten Jesus, das uns daran erinnern soll, dass uns erst durch die Aufopferung des Herrn das Betreten des Allerheiligsten und der Empfang der Eucharistie erlaubt wurden. Eine Ikone mit Jesus und seinen Jüngern stellt das Sakrament der Kommunion (Eucharistie) dar, welches uns Jesus am Gründonnerstag geschenkt hat. Dieses Bild zeigt, dass der Herr selbst die Gebete und das Sakrament des Altares (Kommunion) eingesetzt hat.

An der rechten Seite der Ikonenwand sehen wir eine Ikone der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Dieses Bild erinnert uns an den Psalm Davids: „Die Braut steht dir zu Rechten“ (Ps 45,10). Eine weitere Ikone zeigt die Verkündung der frohen Botschaft. An der linken Seite der Ikonenwand befinden sich Ikonen mit dem Bildnis des Kirchenpatrons und der Taufe Christi. Oberhalb der Ikonostasis sehen wir ein Straußenei, das sowohl die Auferstehung als auch die Liebe und Fürsorge unseres Herrn symbolisiert. So wie das Straußenweibchen das Ei niemals aus den Augen lässt und es liebevoll verteidigt, so sorgt unser Herr für uns mit Fürsorge und Liebe. Weinreben und Weizenkörner schmücken die Ikonostasis und symbolisieren die Bestandteile der heiligen Kommunion.

Vor der Ikonostasis befindet sich mit dem Rücken zur Südwand der Bischofsstuhl, so dass der Bischof, wenn er die Gemeinde besucht, sie über seine rechte Seite anspricht und segnet. In der vordersten Reihe sitzt der Klerus, der nicht zelebriert. Hier steht auch der Chor der Diakone, Lektoren und Sänger. Zur Ausstattung dieses Raumes zwischen Gemeinde und Altarraum gehören die beiden Lese- und Predigtpulte, das linke (nördliche) für koptische, das rechte (südliche) für arabische Lesungen. Die beiden Pulte können zu einem Pult zusammengefasst werden.

Das koptische Kreuz hat vier Enden. Jedes Ende hat drei Zacken, die die Dreifaltigkeit darstellen. Vier Enden mal drei Zacken ergeben die Zahl Zwölf, die Zahl der Apostel. Die vier Enden des Kreuzes symbolisieren sowohl die vier Evangelien als auch die vier Himmelsrichtungen.

[PDF]Die koptische Kirche




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Ins Netz gesetzt am 30.07.2012; letzte Änderung am 14.07.2016

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