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Vier sephardische Synagogen in Jerusalem

Sehenswürdigkeiten in der Jerusalemer Altstadt


Die vier sephardischen Synagogen in der jüdischen Jerusalemer Alstadt

Im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt befindet sich zwischen Hurvaplatz und Jerusalemplatz an der Mishmerot HaKehuma Straße ein sephardisches Synagogenzentrum, die sogenannten 4 serphardischen Synagogen. Die vier Synagogen wurden nacheinander in unmittelbarer Nähe zueinander gebaut und später miteinander verbunden.

"Jochanan-ben-Zakkai-Synagoge" - erbaut um 1610
"Prophet-Elia-Synagoge" - erbaut um 1625
"Istanbul-Synagoge" - erbaut um 1760
"Mittel-Synagoge" - erbaut nach 1760

Geschichte bis 1948

Als der aus dem spanischen Gerona gebürtige Rabbi Moshe Ben-Nachman (Ramban) 1267 in Jerusalem eintraf, um das jüdische Leben in der Stadt neu zu beleben und zu organisieren, gründete er eine Synagoge in einem halb verfallenen Haus auf dem christlichen Zionsberg. Später zog er mit seiner Gemeinschaft in die heutige Altstadt und baute dort die Ramban-Synagoge, direkt neben der heutigen Hurva-Synagoge. Diese Synagoge war über Jahrhunderte das religiöse Zentrum der Juden.

Als im Jahr 1492 die Juden aus Spanien und 1497 aus Portugal vertrieben wurden, ließen sich viele dieser Serpharden im osmanischen Reich nieder und zogen später auch ins Heilige Land und vor allem Jerusalem.

1586 ordnete der osmanische Gouverneur die Schließung der Ramban-Synagoge an. Das zwang die unterschiedlichen jüdischen Gruppierungen sich wieder getrennt zu organisieren. Die sephardischen Juden, die zu der Zeit die größte jüdische Gemeinde in Jerusalem bildeten, bauten deshalb südlicher der alten Synagoge ein neues Bethaus. Sie wählten die Stelle, an der im 1. Jh. der berühmte Gelehrte Rabbi Jochanan Ben Zakkai seine Schüler unterrichtet hatte. Im Laufe der Zeit wuchs diese neue Synagoge zu einem Komplex von vier Synagogen heran.

Das Synagogenzentrum liegt einige Meter unterhalb des Straßenniveaus. Grund dafür waren die politischen Verhältnisse. Da ein osmanisches Gesetz es untersagte, fremde Gotteshäuser höher zu bauen als eine in der Nachbarschaft liegende Moschee, bauten die Juden ihre neue Synagoge einfach drei Meter unterhalb des Straßenniveaus. Man begründete diese Notwendigkeit intern einfach, indem man Psalm 130 zitierte: „Aus der Tiefe, O Herr, rufe ich zu dir.“

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die vier Synagogen baufällig, und Regen tropfte durch die Löcher in der Decke. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, als das Heilige Land unter ägyptischer Herrschaft war, wurde der jüdischen Gemeinde bisher nie dagewesene Freiheiten eingeräumt. Und so erhielt im Jahre 1835 die sephardische Gemeinde vom Gouverneur des Heiligen Landes, Ibrahim Pascha, die Erlaubnis, die vier Synagogen zu renovieren. Die vier nun strukturell verbundenen Synagogen wurden fortan zum Zentrum des spirituellen und kulturellen Lebens der sephardischen Gemeinde Jerusalems.


Geschichte seit der israelischen Staatsgründung - ab 1948

Während des israelischen Unabhängigkeitskrieges von 1948 dienten alle vier sephardischen Synagogen als Zufluchtsort für die Einwohner des jüdischen Viertels der Jerusalemer Altstadt. Nach der Eroberung Jerusalems durch Jordanien wurden die vier Synagogen verwüstet und dienten fortan als Ställe für Ziegen, Schafe und Pferde.

Nach der Rückeroberung Ostjerusalems durch die Israelis 1967 im Sechstagekrieg fand man die Synagogen in einem desolaten Zustand vor. Unter großem finanziellem Aufwand wurden die vier Synagogen wiederhergestellt und 1972 neu eingeweiht.



Die einzelnen vier Synagogen im Detail


Synagogen allgemein

Die Innenaustattung von sephardischen und aschkenasischen Synagogen ist unterschiedlich. Sephardische Synagogen sind im Inneren meits blau bemalt und aufgrund der Herkunft der Gemeindeglieder stark von der orientalischen Kunst beeeinflußt. Außerdem findet man gepolsterte Sitzbänke an den Wänden und fühlt sich unweigerlich in einer Moschee versetzt. Askenasische Synagogen sind in der Regel mit Holzbänken ausgestattet.

Meist steht in den sephardischen Synagogen im Zentrum eine Kanzel. Diese "Bima" (pl.: Bimot, von griechisch "Bema") oder auch "Almemor" genannt, aus einem erhöhten Pult oder Podium, einem Tisch (Schulchan, von hebräisch Tisch), um die Tora dort aufzulegen, sowie jeweils einer Treppe für den Auf- und Abgang. Die Stufen zu dieser Kanzel symbolisieren den Aufstieg des Mose auf den Berg Horeb, wo er einst die göttlichen Gebote erhielt.

Die Tora wird im Toraschrein aufbewahrt, einem Holzschrank, der in der nach Jerusalem ausgerichteten Wand eingelassen ist. Bima und Toraschrein bilden dabei die liturgisch-funktionalen Zentren im Gottesdienst.

Häufig ist vor dem Schrein ein Vorhang, der jenen symbolisiert, welcher einst im Tempel das Allerheiligste mit der Bundeslade vom Vorraum mit den Schaubroten und der Menora abtrennte.

Bei den Aschkenasen ist die Bima traditionell im Zentrum der Synagoge situiert. Die zentrale Position wurde im 19. Jahrhundert zum Kennzeichen orthodoxer Synagogen, während in liberalen jüdischen Gemeinden die Bima mit dem Toraschrein an die Ostseite gerückt und dort mit dem Toraschrein - und zumeist mit einer Kanzel -, zu einer Estrade vereint angeordnet wurde.

Bei den Sepharden wird das Lesepult "Tevah" genannt und befindet sich traditionell an der dem Toraschrein gegenüberliegenden Seite des Synagogenraums.

Bei den Sepharden leitet der Vorbeter den Gottesdienst von der "Tevah", bei den Aschkenasen vom "Amud".



Die Jochanan-ben-Zakkai-Synagoge - erbaut um 1610

Diese Synagoge gilt als die älteste und ist die erste, die man im Zentrum betritt. Sie ist die bedeutendste der vier Synagogen und wurde 1610 erbaut.

Der herausragende jüdische Gelehrte Jochanan ben Zakkai (um 70 n.Chr. hatte von Kaiser Vespasian die Erlaubnis erhalten, in der Küstenstadt Jabne einen neuen Sanhedrin (Synhedrium=Hoher Rat) zu gründen. Ben Zakkai gilt deshalb als Bewahrer des Judentums nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70. Ihm zu Ehren erhielt die Synagoge ihren Namen.

Die Kanzel des Vorbeters ist hier etwas in die Mitte gerückt, was eher für den orthodoxen aschkenasichen Ritus üblich ist.



Die Prophet-Elia-Synagoge (Eliahu-ha-Navi-Synagoge) - erbaut 1625

Diese Synagoge wurde 1625 als Lehrsaal errichtet und 1702 geweiht.

Der Legende nach war die Gemeinschaft der Juden in der Stadt so klein, daß sie nicht einmal den "Minjan" (zehn erwachsene jüdische Männer, die nötig sind, um einen gemeinschaftlichen Gottesdienst abzuhalten) zusammenbrachten. Als einmal am Yom-Kippur einmal wieder nur neun Männer anwesend waren und die Zeit gekommen war, das Kol Nidre-Gebet zu sprechen, da erschien ein alter Mann mit weißem Bart und komplettierte den Minjan. Nach dem Abendgebet verschwand er wieder. Erst da verstanden die Neun, daß jener Alte niemand geringerer als der Prophet Elia gewesen war, um mit ihnen zu beten. Um dieses Wunders zu gedenken, trägt die Synagoge den Namen des Propheten.

Der "Minjan" leitet sich ab von der Geschichte in 1. Mose 18,32ff, in der Abraham mit Gott um die Errettung von Sodom und Gomorra verhandelte. Gott war bereit, jene Städte zu verschonen, in der sich mindestens 10 Gerechte befänden, was bekanntermaßen auf keine der Städte zutraf.

Diese Synagoge enthält einen reich geschnitzten Toraschrein aus Italien. In einer hinteren separaten Kammer steht ein mit einer Decke überzogener kostbarer Stuhl. Es ist der Stuhl des Elia, der zur rituellen Beschneidung genutzt wird. Zu sehen sind auch eine Chuppa, ein Traubaldachin aus Spanien.

Diese Synagoge hat auch eine Geniza. Dies ist der Raum in der nicht mehr gebrauchte Torarollen aufbewahrt werden, bis sie später auf einen Friedhof in die Erde gelegt werden.



Die Istanbul-Synagoge - erbaut um 1760

Dieses Bauwerk ist die größte der vier Synagogen und wurde als letztes erbaut. Errichtet wurde das Bethaus in den 1760er Jahren von jüdischen Einwanderern aus der Türkei, besonders aus Istanbul, woher sie eben ihren Namen hat.

Besonders imposant in dieser Synagoge ist die Bima.


Die Mittel-Synagoge (Emzai-Synagoge) - erbaut nach 1760

Sie ist heute als die "Mittel-Synagoge" bekannt und diente ursprünglich als Eingangshalle zu den anderen drei Synagogen. Sie ist die kleinste der vier Synagogen.

Als die Betergemeinschaft wuchs und es in den anderen drei Synagogen zu eng wurde, wich man auf den Hof aus, setzte ein Dach darauf und deklarierte den Ort als Synagoge.

Sehr deutlich ist hier über dem Tora-Schrein ("Aron ha-Qodesch") die symbolische Gebotstafel (ähnlich den Zehn Geboten) zu erkennen. Nahebei hängt das Licht von der Wand, genannt "Ner Tamid" ("Ewiges Licht"). Es erinnert an die Feuersäule, die die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wildnis der Wüste Sinai begleitet hat.

Quelle: u.a. Wikipedia




4 Synagogen
4 Synagogen - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



Ben Zakkai Synagoge - vergrößerbar



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Prophet Elia Synagoge - vergrößerbar



Prophet Elia Synagoge - vergrößerbar



Prophet Elia Synagoge - vergrößerbar



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Prophet Elia Synagoge - vergrößerbar



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Istanbul-Synagoge - vergrößerbar



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Istanbul-Synagoge - vergrößerbar



Istanbul-Synagoge - vergrößerbar



Istanbul-Synagoge - vergrößerbar



Istanbul-Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



Mittlere Synagoge - vergrößerbar



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Ins Netz gesetzt am 3.6.2011; letzte Änderung am 13.02.2016

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