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"Kapernaum" am See Genezareth

Die archäologischen Sehenswürdigkeiten in "Kapernaum" in Galiläa/Israel

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Lage von Kapernaum

Kapernaum war ein Fischerdorf in Galiläa im Norden Israels, am Nordufer des Sees Genezareth. Es lag etwa 2,5 Kilometer östlich von Tabgha und 15 Kilometer nordöstlich von Tiberias an der Via Maris gelegen.

Das biblische Dorf wurde im 19. Jahrhundert mit der Ruinenstätte "Tell Hum" identifiziert.



Geschichte von Kapernaum

Nach archäologischen Erkenntnissen war Kapernaum wahrscheinlich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. besiedelt.

Für das vierte Jahrhundert n.Chr. machte Bischof Epiphanius von Salamis in seinem Buch Panarion eine interessante Feststellung. Demnach sei es in den Städten Tiberias, Sepphoris, Nazareth und Kapernaum unmöglich gewesen Kirchen zu errichten, da die Juden streng darauf achteten, „dass sich unter ihnen niemand niederließe, der einer anderen Volksgruppe zugehörte.“

Kapernaum wurde 746 n.Chr. durch ein Erdbeben zerstört und nahe beim ursprünglichen Standort wiederaufgebaut.

Etwa im 11. Jahrhundert muss das Dorf aufgegeben worden sein; der Grund dafür ist unbekannt.

Während seiner ersten Palästinareise im Jahr 1838 entdeckte der amerikanische Forscher Edward Robinson die Überreste der antiken Synagoge Kapernaums, brachte diesen Fund aber nicht mit dem biblischen Kapernaum in Zusammenhang.

Erst im Jahre 1866 identifizierte der britische Ingenieur Charles Wilson "Tell Hum" mit dem antiken Kapernaum.

1894 erwarb die "Kustodie des Heiligen Landes" der Franziskaner (OFM) einen Teil des Geländes; hier wurden im 20. Jahrhundert mehrmals Ausgrabungen vorgenommen. Ein anderer Teil gehört der griechisch-orthodoxen Apostelkirche; auch hier wurden Ausgrabungen durchgeführt.



Biblischer Bezug

Kapernaum spielt in den Evangelien als Wohn- und Wirkungsort Jesu eine wichtige Rolle:

Matthäus 4,12–13
12 Da nun Jesus hörte, dass Johannes gefangen gesetzt worden war, zog er sich nach Galiläa zurück.
13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in Kapernaum, das am Galiläischen Meer liegt im Gebiet von Sebulon und Naftali,
14 auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1):
15 »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das Galiläa der Heiden,
16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und denen, die saßen im Land und Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Wie Markus 1,21–28 berichtet, lehrte zu Beginn seiner öffentlichen Wirkensamkeit in der Synagoge von Kapernaum, wo er – so lassen die folgenden Verse schließen – zeitweise im Haus des Petrus gewohnt hat. Er trieb in der Synagoge einen bösen Geist aus, heilte später die Schwiegermutter des Simon Petrus und darüber hinaus viele weitere Kranke aus der ganzen Gegend.

Markus 1,21ff
21 Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.
22 Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten.

23 Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie:
24 Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus von Nazareth? Bist du gekommen, uns zu vernichten? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes!
25 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm!
26 Und der unreine Geist riss ihn hin und her und schrie laut und fuhr aus von ihm.
27 Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm!
28 Und die Kunde von ihm erscholl alsbald überall in das ganze Land um Galiläa.

29 Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes.
30 Die Schwiegermutter Simons aber lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr.
31 Und er trat zu ihr, ergriff sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie, und sie diente ihnen.

32 Am Abend aber, da die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen.
33 Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür.
34 Und er heilte viele, die an mancherlei Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus und ließ die Dämonen nicht reden; denn sie kannten ihn.

Erwähnt wird in Mt 8,5–13 ein in Kapernaum stationierter römischer Hauptmann, der von Jesus die Heilung seines Knechts erbat.

Matthäus 4,12–13
5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn
6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.
7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.
8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
9 Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.
10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!
11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;
12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Aus Kapernaum stammten mehrere Jünger Jesu: die Brüderpaare Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, außerdem der Zöllner Levi, genannt Matthäus.

Nach der Brotvermehrung, die man später im Gebiet von Tabgha vermutete, lehrte Jesus nach Johannes 6,22–59 in der Synagoge von Kapernaum die Menschen über das „Himmelsbrot“.

Johannes 6,22ff (Luther 2017)
22 Am nächsten Tag sah das Volk, das am andern Ufer des Meeres stand, dass kein anderes Boot da war als das eine und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Boot gestiegen war, sondern seine Jünger waren allein weggefahren.
23 Es kamen aber andere Boote von Tiberias nahe zu der Stätte, wo sie das Brot gegessen hatten, nachdem der Herr die Danksagung gesprochen hatte.
24 Als nun das Volk sah, dass Jesus nicht da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in die Boote und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus.
25 Und als sie ihn fanden am andern Ufer des Meeres, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hergekommen?
26 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.
...
47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
...
59 Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte.

In Lukas 10,15 sprach Jesus ein hartes Gerichtswort über Kapernaum aus, weil ihre Einwohner die Botschaft von Jesus ablehnten.

Lukas 10,13ff (Luther 2017)
13 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst in Sack und Asche gesessen und Buße getan.
14 Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch.
15 Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinabfahren.



Archäologische Funde und heutige Bauten

Byzantinischer Kirchenbau

Im Bereich, der von den Franziskanern betreut wird, wurde ein byzantinischer Kirchenbau aus dem 5. Jahrhundert ausgegraben. Der zentrale achteckige Raum, der von einem ebenfalls achteckigen Wandelgang umgeben war, war über den Resten einfacher Wohngebäude aus dem 1. Jahrhundert erbaut worden.

Eines der Wohnhäuser gilt als Haus des Simon Petrus, das als Hauskirche benutzt wurde. Der einzige klare Hinweis darauf sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spuren kultischer Zusammenkünfte zeigen. Sie stammen frühestens aus dem 3. Jahrhundert.

Das Gebäude wurde Anfang des 7. Jahrhunderts, wahrscheinlich beim Einfall der Perser, zerstört.

Über den Ausgrabungen wurde die auf Stelzen stehende moderne Petruskirche errichtet, die die Funde schützen soll.

Unter der Kirche, die im Jahr 2008 errichtet wurde, befindet sich das Haus des Petrus, in dem auch Jesus übernachtet haben muss, das jedoch optisch nicht sehenswert ist.



Jüdische Synagoge aus dem 3. -4. Jh.

Ebenfalls auf dem Gelände der Franziskaner wurde von Gaudenzio Orfali die Synagoge von Kapernaum ausgegraben; es kann sich allerdings nicht um die in den Evangelien erwähnte Synagoge handeln, da der Bau ins 3. oder 4. Jahrhundert zu datieren ist. Die Synagoge steht aber vermutlich an der Stelle eines älteren Vorgängerbaus. Wie die Kirche wurde auch die Synagoge Anfang des 7. Jahrhunderts zerstört.



Weitere Ausgrabungen

Auf dem angrenzenden Gelände, das im Besitz der griechisch-orthodoxen Kirche ist, wurden bei Ausgrabungen Wohnhäuser und eine Art Kaimauer gefunden.

1931 wurde eine kleine griechisch-orthodoxe Apostelkirche erbaut, die den sieben Aposteln geweiht ist, denen nach Johannes 21 der auferstandene Jesus am See Gennezareth erschienen ist.




Archäologische Funde in Kapernaum - vergrößerbar



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Ins Netz gesetzt am 03.12.2018; letzte Änderung 03.12.2018

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